Als ich endlich mit mir selbst Frieden schloss – vor einem Teller Nudeln

Für manche von uns ist es ein lebenslanger Kampf zu akzeptieren, wer wir sind und woher wir kommen. Eddie erzählt uns, wie das selbstgemachte Pasta unerwartet zu einem Ritus des Übergangs – und der Akzeptanz – werden kann.

Die Abruzzen sind eine starke Region. Schroff. Hoch aufragend. Es ist die Art von Ort, die man in diesen Autowerbungen sieht, in denen von Kraft, Ausdauer und Stärke die Rede ist: einsame Täler zwischen zerklüfteten Gipfeln, ohne Bäume, nur Wiesen, auf denen Schafe und Pferde grasen. Diese Orte haben viele mittelalterliche Geschichten und mystische Legenden hervorgebracht – aber für mich haben sie viele Jahre lang nur den großen Wunsch nach Flucht geweckt. Ich wollte nichts mit den Abruzzen zu tun haben. Ich hatte eine Vereinbarung mit ihr; nennen wir es ein gemeinsames Verständnis: Ich würde bleiben, bis ich 18 war, und meine Pläne für eine bessere Zukunft schmieden – eine weit weg, draußen in der großen Stadt. Die Abruzzen waren nur meine Startrampe – oder vielmehr die Erde selbst, die mich zurückzog und mich davon abhielt, in ein besseres Leben zu starten, das ich fast schon sehen konnte, und das mich mit seinen strahlenden Lichtern rief. Ich konzentrierte mich so sehr auf meine Fluchtpläne, dass ich nicht wirklich verstand, wovor ich zu fliehen versuchte.

Als ich dann endlich über 18 war und meine spannende Universitätskarriere in einem fernen Land vor mir hatte, konnte mich nicht einmal die selbstgemachte Soße meiner Mamma oder meiner Nonna aus, auch nur daran denken lassen, zurückzukehren. Die Zeiten, in denen ich zu den obligatorischen Feierlichkeiten nach Hause zurückkehrte, wurden von allen, die ich kannte, zu Recht als „Arztbesuche“ bezeichnet: schnell, nur auf der Durchreise, weil es anderswo immer etwas Besseres zu tun gab. Es sollte lange dauern – es brauchte mehr als 20 Jahre, Weltreisen, Zeiten der Liebe, Zeiten des Verlustes und einen Meisterkurs in selbstgemachter Pasta, den mir eine Hausfrau, keine andere als meine eigene Mutter, gab, bis ich begriff, dass ich das Kriegsbeil endlich begraben – tief begraben – und Frieden mit meinen Wurzeln schließen konnte.

Auf meinen Reisen fern der Heimat lernte ich, Sushi und Paella sowie ein köstliches Ratatouille zuzubereiten, ich lernte die ecuadorianische Küche der Anden kennen und ich versuchte mich sogar an vietnamesischen Leckerbissen. Die Pizze fritte meiner Großmutter, die Ravioli meiner Tante und die hausgemachte Pasta meiner Mama nahm ich dagegen als selbstverständlich hin – um nur drei der unendlichen Köstlichkeiten zu nennen, die mich während meiner Teenagerjahre genährt und mir geholfen haben, ein Mann zu werden. Zu keinem Zeitpunkt kam mir der Gedanke, dass ich lernen sollte, den Teig selbst zu machen, ihn zu kneten und durch die Maschine zu jagen, um einen Teller mit meinen ganz eigenen hausgemachten Fettucine genießen zu können. Zu lernen, wie man Sushi macht, ist natürlich ein Muss für jede wahre „Großstadtseele“; aber selbstgemachte Pasta – wovon zum Teufel sprichst du? Die Distanz, die ich versuchte, zwischen mich und meine Herkunft zu bringen, dämpfte jeden Impuls, es zu versuchen. Außerdem hatte ich eine Art blindes, unbewusstes Vertrauen, dass Mama immer da sein würde, um sie zu machen – das beste Essen, das ich je in meinem Leben gegessen habe.

Doch die Jahre vergingen, und die jugendliche Gewissheit der eigenen Unsterblichkeit schien nicht mehr so sicher. Und so geschah es, dass ich vor ein paar Monaten, während einer meiner „blink-and-you’ll-miss-it“-Besuche bei der Familie, einen Moment lang innehielt, um meiner Mamma bei der Zubereitung der selbstgemachten Fettucine zuzusehen. Und ich brach das Schweigen – ein Schweigen, das für mich etwas Feierliches, sogar Spirituelles hatte, und für sie wahrscheinlich einfach mit den automatischen Bewegungen kam, die so oft wiederholt wurden, dass sie keinen weiteren Gedanken oder Ausdruck mehr brauchten – und bat meine Mutter, mir zu zeigen, wie man die Nudeln macht. Ich bot vage an, dass ich vielleicht – ich weiß nicht wann, aber irgendwann – versuchen würde, sie selbst zu machen, in meinem eigenen Haus. Und meine Mama, die meinem unerwarteten Ausbruch keine große Bedeutung beizumessen schien (da Mütter wissen, welchen inneren Kampf es manchmal braucht, um unserem Impuls, etwas zu fragen, zu folgen, und sie wissen, dass sie den Funken in uns nicht ersticken sollten, indem sie uns in Verlegenheit bringen), begann, es mir zu zeigen – von Anfang an.

Ich zeichnete den Prozess sorgfältig auf, machte Fotos, machte Notizen – aber die ganze Zeit, während ich Reporter spielte, konnte ich nicht umhin, die Kraft der Finger meiner Mutter zu bemerken, wie sie sich in den Nudelklumpen gruben, um ihn zu formen, auseinander zu brechen und wieder zu formen, um ihm am Ende perfekte Festigkeit zu verleihen. Diese einfache und sich wiederholende Bewegung, die Finger wie die Wurzeln eines Baumes, die sich kraftvoll in die Erde graben, schien mich fast in Trance zu versetzen – und es erinnerte mich an die Abruzzen selbst, die Sturen und Stolzen, stark wie die Wurzeln eines Baumes, sanft und weich wie der Nudelklumpen, der sich formen und auseinanderbrechen lässt.

Was ist mit den Fettuccine, fragst du dich? Wir haben sie noch am selben Tag gegessen, mit einer Soße aus Tomaten und Pilzen, die mit großer Sorgfalt von den Feldern rund um das Haus meiner Kindheit gepflückt wurden.

Das war vor sechs Monaten. Nein, ich habe noch nicht versucht, selbstgemachte Pasta zu machen – noch nicht. Ich habe nicht alle Utensilien, die ich brauche. Und was noch wichtiger ist, ich habe nicht den Mut, den ich brauche. Den Mut, es zu versuchen und vielleicht zu scheitern – und das Vertrauen meiner Mutter zu missbrauchen, die mir ihr ganz persönliches Nudelrezept gegeben hat, ein Geheimnis, das ich bewahren und an meine eigenen Kinder weitergeben soll. Ich habe Angst, zu scheitern und nicht in der Lage zu sein, meinen Gästen und mir selbst zu beweisen, dass ich ein echter Mann aus den Abruzzen bin – einer, der weiß, wie man seine eigene hausgemachte Pasta macht, und der sich wohlfühlt und stolz ist, seine Wurzeln tief in den Boden zu schlagen, der ihn genährt und großgezogen hat.

Dieser Artikel wurde ursprünglich auf Italienisch von dem talentierten Autor Edmondo Pezzopane, unserem italienischen Muttersprachler, verfasst. Dann übernahm unser Linguisten-Team englischer Muttersprachler: Eugen R hat ihn wundervoll transkreiert und Eugenia P anschließend sorgfältig Korrektur gelesen und poliert. Steffi, unsere deutsche Muttersprachlerin, hat ihn dann ins Deutsche transkreiert. Zum Schluss wurde er von unserer liebenswerten Projektmanagerin, Katerina veröffentlicht. Erfahre hier mehr über unseren Schreib- und Übersetzungsservice von Englisch zu Deutsch.